Südosteuropa 2018

Gesamte Strecke Südosteuropa
Gesamte Route

Intro

Diesen Sommer trieb es meinen Freund Markus und mich in den Osten. Prinzipiell war unser Ziel Rumänien mit seinen wunderschönen Hochgebirgsstraßen, der Transalpina und der Transfagaraschan. Bis dorthin planten wir grob eine Route entlang der Karpaten bis zum Eisernen Tor. Den weiteren Streckenverlauf ließen wir uns offen, gab es doch zig Möglichkeiten, wie wir unsere Tour von diesem Punkt aus fortsetzen könnten. Vor ans Schwarze Meer, weiter Richtung Süden oder durch Serbien und Montenegro an die Mittelmeerküste, waren nur ein Bruchteil der Gedanken, die uns vorab durch den Kopf gingen.

Wie wir uns entschieden haben, warum der Abenteuerfaktor auf dieser Tour doch um einiges höher war als bei unserer Nordkapp-Tour, und wie ein albanischer Schweißer uns eine ungehinderte Weiterfahrt möglich machte, lest ihr in den folgenden Zeilen.

1. Tag 28.07.2018 (576km)

Track Tag 1
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Geplant war an diesem Tag bis ins Dreiländereck Ungarn-Ukraine-Rumänien vorzustoßen. So führte uns unser Weg direkt Richtung Osten. Bei Angern an der March fuhren wir mit einer kleinen Fähre über den selbigen Fluss. Da die March hier den Grenzfluss zwischen Österreich und der Slowakei bildet, stellte diese Überfahrt auch unsere erste Grenzüberschreitung dar. Etliche weitere sollten folgen.

Weiter ging es rasch, ohne größere Stopps einzulegen, durch mir bereits bekannte Gebiete. Ein Abstecher über den westlichsten Karpatenausläufer, die Kleinen Karpaten, durfte natürlich nicht fehlen. Die Topografie der restlichen Strecke ließ ohnehin nicht auf allzu viele Kurven hoffen.

Bei Král verließen wir die Slowakei auch schon wieder und reisten in Ungarn ein. Hier ging es unter anderem durch zahlreiche vom Tourismus geprägte Ortschaften entlang der Theiß.

In der Slowakei
In der Slowakei

Ohne Vorahnung, dass sich dieses Vorhaben als derart schwierig erweisen würde, machten wir uns am späteren Nachmittag auf die Suche nach einer Unterkunft. Neben einem von Schimmelpilz befallenen Zimmer, welches wir natürlich wieder so schnell wie möglich verließen, wurden wir an zahlreichen Hotels alleine mit dem Wort: „full“ abgewimmelt. Fremdsprachen sind in dieser Gegend Ungarns leider nicht allzu stark verbreitet. Trotz einer aufziehenden Gewitterfront beschlossen wir schließlich uns einen Campingplatz zu suchen. Doch rasch entwickelte sich auch dieser Plan zu einer echten Challenge. Einige Plätze waren aufgrund von Hochzeiten, andere einfach von geschlossenen Gesellschaften, komplett ausgebucht. Deshalb suchten wir uns einen etwas entlegenen Campingplatz aus dem Internet. Als wir diesen bei einbrechender Dunkelheit erreichten, wollte uns auch hier der Besitzer, welcher kein Wort Deutsch oder Englisch sprach, abweisen. Wir machten ihm jedoch mit Händen und Füßen klar, dass dieser Platz unsere letzte Chance sei. Mithilfe eines hilfsbereiten Dolmetschers stellte sich heraus, dass auch dieser Platz von einer ganzen Gruppe gebucht war und, dass uns der Besitzer den Lärm dieser Gruppe, sie feierte bis tief in die Nacht, nicht zumuten wollte. Dies stellte selbstverständlich kein Problem für uns dar und schon beim Betreten des Platzes wurden wir auf Schnaps und Bier eingeladen und unterhielten uns köstlich. Im Nachhinein betrachtet hätten wir dieser Einladung erst nach dem Zeltaufbau folgen sollen (Anfängerfehler). Genau beim Aufstellen des Zeltes zog das Gewitter – wir glaubten ihm entkommen zu sein – über uns hinweg. 

2. Tag 29.07.2018 (321km)

Track Tag 2
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einer doch recht kurzen Nacht – das Gewitter hielt bis kurz nach Mitternacht an – fuhren wir so rasch wie möglich zur rumänischen Grenze, welche wir bei Petea überquerten. Die Grenzüberschreitung stellte kein Problem dar und so konnten wir noch am Vormittag unser Ziel, die rumänischen Karpaten in der ferne erspähen. In selbigen angekommen änderte sich sowohl die Landschaft als auch die Straßen rasch. Durch zahlreiche Wälder schlängelten wir uns von einer zur nächsten Kurve. Ein wahrer Genuss nach dem fahrerisch doch recht langweiligen ersten Tag.

Unser nächstes Ziel war der Friedhof in Sapanta. Hier ist jeder der hölzernen Grabsteine mit handgemalten Bildern der Verstorbenen versehen – echt interessant anzusehen.

Friedhof Sapanta
Friedhof in Sapanta

Weiter ging es durch zahlreiche Dörfer und Ortschaften in Richtung Pistrol-Pass. Die Westrampe der wirklich sehr empfehlenswerten Straße war komplett neu asphaltiert. Auf der Passhöhe befindet sich eine Kirche, welche aufgrund der Lage einen wahrlich mächtigen Eindruck hinterlässt. Der einsetzende Regen konnte uns die Freude auf die folgenden Kurven der Ostrampe nicht nehmen. Auch diese ist frisch asphaltiert. Doch sobald es flacher wurde und wir die Kurven hinter uns ließen entwickelte sich der Straßenbelag – falls man das überhaupt noch so nennen kann – zum schlechtesten unserer ganzen Tour. An Geschwindigkeiten über 30km/h war gar nicht zu denken, ein Schlagloch folgte dem nächsten. Das Ganze stellte für unsere Africa Twins natürlich keine größeren Probleme dar.

Vom Allgemeinzustand der rumänischen Straßen war ich positiv überrascht. Eigentlich kann ich mich nur an zwei Abschnitte erinnern, an denen die Straße in wirklich schlechtem Zustand war. Größere Straßen sind meist komplett neu überarbeitet.

Genächtigt haben wir in einer schönen Pension in Vatra Dornei, einer kleinen Stadt in den Karpaten.

3. Tag 30.07.2018 (357km)

Track Tag 3
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Morgen fuhren wir in Richtung der kleinen Stadt Bicaz, entlang des gleichnamigen Stausees. In dieser wunderschönen und für Motorradfahrer wirklich sehr interessanten Gegend freut sich fast jedes Kind und jede Oma, wenn man mit dem Motorrad vorbeifährt. So oft wie hier wurde mir noch nie vom Straßenrand zugewunken!

Bicaz-Stausee
Bicaz-Stausee

Weiter ging es durch die, im Sommer leider sehr überlaufene, Bicaz-Klamm. Eine sehr imposante, ca. 10km lange Schlucht, durch welche die kurvenreiche Straße 12C führt. Genau diese Straße führte uns auch kurzzeitig aus den Karpaten. Als wir wieder in gebirgigeres Gefilde kamen, fing es leider derart zu schütten an, dass in manchen Dörfern ganze Straßen überflutet waren.

In der Stadt Rosenau, in der Nähe des Schlosses Bran, bezogen wir eine nette Pension. Da die Besitzerin der Unterkunft, welche zurzeit in der Nähe von München wohnt, selbst gerade Urlaub in ihrer Heimat Transsilvanien machte, gab es zum ersten Mal keine größeren Verständigungsschwierigkeiten.

4. Tag 31.07.2018 (338km)

Track Tag 1
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Bereits nach 7km legten wir an diesem Tag den ersten Halt ein. Schließlich musste zumindest ein Foto vom Dracula Schloss in Bran gemacht werden. Fürst Dracula hat in diesem Schloss zwar nie gelebt, den Touristen wird es dennoch so verkauft. Da es für eine Besichtigung ohnehin noch zu früh war und noch ein Highlight unserer Reise – die Transfagaraschan Hochstraße – auf der Tagesordnung stand, machten wir uns relativ rasch wieder auf den Weg.

Schloss Bran
Schloss Bran

Auch die folgende Straße 73 bot uns alles, was das Motorradfahrer-Herz begehrt. Eine wunderschöne Landschaft, Kurven ohne Ende und das bei perfektem Wetter.

Kurz vor der Transfagaraschan füllten wir unser Proviant bei einem der zahlreichen Mini Markets auf. Wir parkten unsere Motorräder im Schatten neben dem Gebäude. Die selbe Idee hatte auch ein Einheimischer, nur fuhr dieser einen, hier wirklich häufig anzutreffenden Pferdekarren. So ist dieses Foto entstanden.

In den Karpaten
nicht nur wir bevorzugen im Sommer Schatten zum parken

Bei der Überquerung der Transfagaraschan begann es leider wieder zu regnen. Trotzdem machten die zahlreichen Kurven entlang des Stausees einen Heidenspaß. Am höchsten Punkt der Straße angekommen, wurde das Wetter wieder besser und so konnten wir im Trockenen das wunderschöne Panorama und das allseits bekannte Kurvengewirr genießen.

Ebenso, wie den Ausblick, genossen wir auch die Fahrt durch diese Kurven. Leider wiesen jedoch einige dieser Kurven starke Längsrillen auf, wodurch sie doch recht anspruchsvoll zu fahren waren.

Transfagaraschan
Kurven der Transfagaraschan

Weiter ging es durch einige Wolken hindurch bis ins Tal und an Sibui (Hermannstadt) vorbei bis zum Fuß der Transalpina, wo wir nächtigten. Da unser Nachtmahl sonst nur aus Brot und Wurst bestand und wir an diesem Tag früher in der Unterkunft eintrafen – die Transalpina wäre sich nicht mehr ausgegangen – beschlossen wir Essen zu gehen. Zwei wirklich gute und große Hauptspeisen und vier Bier kosteten uns umgerechnet lediglich 10EUR. Preise, von denen wir auf unserem Norwegen-Trip im Jahr zuvor nur träumen konnten.

5. Tag 01.08.2018 (459km)

Track Tag 5
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Gleich in der Früh die Transalpina in Angriff zu nehmen war eine wirklich gute Idee. Wir hatten die Straße praktisch für uns alleine. Die Auffahrt bis zum höchsten Punkt meisterten wir bei schönstem Wetter. Somit konnten wir bis hierhin das atemberaubende Panorama in vollen Zügen genießen. Leider hingen in den folgenden Gipfeln Wolken, wodurch einige der schönsten Passagen ohne Sicht, bei Regen und somit nur im Schritttempo durchfahren werden konnten. Schade, aber ein Grund, diese wunderschöne Straße – welche den Vergleich mit zum Beispiel der Großglockner Hochalpenstraße nicht scheuen muss – nochmal zu besuchen.

Transalpina
Transalpina

Weiter ging es über kleinste Straßen runter zum Eisernen Tor, welches die engste Stelle der Donau (200m) und gleichzeitig einen der imposantesten Felsendurchbrüche Europas darstellt. Da die Zeit schon fortgeschritten war, und wir heute in Serbien, in der Nähe der bulgarischen Grenze schlafen wollten, beschlossen wir, das Eiserne Tor nur von der serbischen Seite aus zu bestaunen. Es hat schon etwas ganz Besonderes mit seinem eigenen Motorrad solche Naturschönheiten zu bereisen!

Eisernes Tor
Eisernes Tor

An diesem Abend besuchten wir unseren ehemaligen Schulkollegen und Freund Stevan. Am Tag zuvor, während der Routenplanung der nächsten Tage, fiel mir ein, dass Stevan mal erwähnte, dass das Haus, in dem er sämtliche Ferien verbringt, in Serbien nahe der bulgarischen Grenze stünde. Also kontaktierte ich ihn und am nächsten Tag standen wir auch schon vor seiner Haustüre. Er checkte uns ein Hotel, lud uns zum Essen ein und zeigte uns einen Teil seiner „serbischen“ Welt. Nochmals danke hierfür, Stevan!

6. Tag 02.08.2018 (271km)

Track Tag 6
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Da es am Vorabend doch etwas später wurde, beschlossen wir erst gegen Mittag wegzufahren. Den Vormittag nutzen wir unter anderem für die weitere Routenplanung. Da wir noch 10,5 Tage zur Verfügung hatten, fiel unsere Wahl tatsächlich auf die anspruchsvollste aller Möglichkeiten: die Fahrt Richtung Süden. In zwei Tagen würden wir bei Thessaloniki an der griechischen Küste sein.

Also setzten wir unseren Trip in Richtung bulgarische Grenze fort. In Bulgarien ging es über kleine, zum Teil richtig miese Nebenstraßen, an größeren Städten vorbei durchs Hinterland. Bei Belogradchik konnten wir durch Zufall die atemberaubenden Steinformationen bestaunen. Sie waren mir bereits bekannt, ich wusste aber nicht, dass sie sich in diesem Teil Bulgariens befinden.

Steinformationen von Belogradchik
Steinformationen von Belogradchik

Am Petrohan Pass stellte ich schon bei der ersten Kurve fest, dass der Straßenbelag hier vom Aussehen her mehr verspricht, als er wirklich kann. Die Straße war noch dazu feucht. Was zur Folge hatte, dass alleine durch die Motorbremse das Hinterrad ziemlich schnell zu rutschen begann. In ähnlichem Ausmaß kannte ich dieses Verhalten bislang nur von der Wiener Höhenstraße bei Regen. Diese besteht aber hauptsächlich aus Kopfsteinpflaster.

Bei der ersten längeren Geraden nach der Passhöhe wartete ich auf Markus. Als dann aber immer mehr Autos, anstatt der grünen Twin im Rückspiegel auftauchten, wusste ich, dass etwas passiert sein musste. Also drehte ich um und fuhr zurück. Nach zwei Serpentinen fand ich meinen Kumpel und seine Twin am Ausgang einer Kurve. Beide standen am Straßenrand, aber seine Twin zeigte in die falsche Richtung. Markus grinste und zeigte mir zwei Daumen nach oben. Ich wusste sofort, dass er einen Sturz gebaut hatte. Bis auf ein paar blaue Flecken, einen leicht verzogenen Lenker und einen ziemlich verzogenen Kofferträger, war glücklicherweise nicht allzu viel passiert. Die Hauptursache des Sturzes war, dass zusätzlich zu der rutschigen Fahrbahn noch Kies, welcher von den Regenfällen der letzten Tage auf die Straße gespült worden war, am Kurvenausgang lag.

nach dem Sturz
Nach dem Sturz

Nach dem Ausrichten des Lenkers beschlossen wir, weiter bis zu unserem Tagesziel zu fahren und uns am Abend in der Unterkunft um das Gepäcksystem zu kümmern. In einer Pension in der Nähe des Dreiländerecks Serbien-Bulgarien-Mazedonien angekommen, richteten wir mit Hilfe des Besitzers und seines Werkzeugs bis spät in die Nacht den Gebäckträger so gut wie möglich aus. Nach getaner Arbeit wurde noch eine 2,2Liter Plastikbierflasche – sie wurde uns ebenfalls vom Besitzer der Pension zur Verfügung gestellt – geleert. Ich wusste nicht, dass warmes Bier so gut schmecken kann.

Erst beim Gang ins Zimmer (3.Stock) bemerkte ich bei Markus die Auswirkungen des Sturzes. Er konnte kaum Treppen steigen. Später stellten wir einen faustgroßen dunkelblauen Fleck auf Höhe seiner rechten Niere fest. Zu seinem Pech kam noch hinzu, dass genau während er duschte, der Strom ausging und somit im 3.Stock auch kein Wasser mehr zur Verfügung stand. Laut dem Besitzer der Pension ist es in Bulgarien üblich, dass bei Unwettern in der Nähe von Umspannwerken ganze Ortschaften vom Netz getrennt werden.

Was für ein Tag!

7. Tag 03.08.2018 & 8. Tag 04.08.2018 (379km)

Track Tag 7
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Tag ging es Markus noch nicht viel besser. Der Gedanke, dass wir noch am selben Tag die griechische Küste erreichen würden, weckte jedoch auch seine Motivation. So ging es bei perfektem Wetter durch Bulgarien und ein kurzes Stück durch Mazedonien bis nach Griechenland.

Wieder im EURO-Raum angekommen, schauten wir bei der ersten Tankstelle nicht schlecht. €1,75 für den Liter Super war nun angesagt.

Griechenland Strand
Griechenland Strand

An unserem Tagesziel, der bezaubernden Halbinsel Chalkidiki, angekommen, suchten wir uns einen Campingplatz direkt am Strand. Der Plan für den nächsten Tag stand schließlich fest: relaxen am Strand und gut essen gehen!

9. Tag 05.08.2018 (481km)

Track Tag 9
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einem wohltuenden Tag am Strand machten wir uns auf in Richtung Heimat. Mir ist klar, dass Griechenland weiter südlich oder zur türkischen Grenze hin viel mehr für Motorradfahrer zu bieten hat, doch leider reichte hierfür unsere Zeit nicht. Macht aber nichts. Schließlich wurde es zur albanischen Grenze hin auch auf unserer Route wieder gebirgiger und somit kurvenreicher.

Panorama am Ohridsee
Panorama am Ohridsee

In Albanien angekommen, wurden wir nicht nur von den Straßenzuständen positiv überrascht. Dieses Land hat auch landschaftlich einiges zu bieten. So wartet auch der Ohridsee an der mazedonischen Grenze mit einem atemberaubenden Panorama auf. Um diesen Ausblick zu genießen, hielten wir direkt am Ufer auf einem kleinen Parkplatz. Als am Ende der Pause mein Blick über Markus‘ Gebäcksystem streifte, stockte mir der Atem. Eine Aufnahme seines linken Kofferträgers war gebrochen. Geschwächt durch das Ausrichten nach dem Sturz, dürfte ihr ein Bahnübergang, welchen wir beide für seinen Zustand zu schnell überfuhren, den Rest gegeben haben. Zunächst versuchten wir, eher schlecht als recht, das Ganze mit einem Zurrgurt zu stabilisieren. Das wir mit dieser Lösung nicht ganz zufrieden waren, dürfte man auch an unseren Gesichtsausdrücken erkannt haben. Schließlich fragte uns auf einmal ein Albaner in schlechtem Englisch, ob alles OK sei. Wir mussten nur auf die gebrochene Stelle zeigen und er erkannte unser Problem. Seine Antwort war: “Give me 5 to 15 minuti. I’m chef!“. Er zückte sein Handy und keine 10 Minuten später stand ein Mann mit einem Schweißgerät vor uns. Es stellte sich heraus, dass unser Retter der Eigentümer des Hotels auf der anderen Straßenseite war. Wir bauten die Batterie aus, richteten die Aufnahme erneut aus und der Arbeiter legte uns, ohne jegliche Schutzausrüstung, zwei Schweißnähte in die Kanten der Aufnahme. Als die Arbeit getan schien, hielt Markus dem Arbeiter 10€ hin. Dieser deutete uns daraufhin, dass wir noch warten sollen. Plötzlich tauchte noch ein Arbeiter mit einem Pinsel und weißem Lack auf. Nachdem die blanken Stellen nun sogar lackiert waren, gaben wir als Dank allen 10€, woraufhin uns der Chef sogar noch auf ein RedBull einlud. Mir gingen nur zwei Gedanken durch den Kopf: „Wow, dass ist Gastfreundschaft!“ und „So ein Glück muss man mal haben!“

albanischer Schweißer
albanischer Schweißer

Nach der Reparatur war die Zeit schon ziemlich fortgeschritten. Da wir an diesem Tag noch bis Durres, einer Hafenstadt im Norden Albaniens, kommen wollten, mussten wir die restliche Strecke durch das wunderschöne Landesinnere leider ohne jeglichen Stopp zurücklegen.

In Durres bezogen wir eine schöne, saubere Pension um 17€ mit einer extrem freundlichen Inhaberin, welche keine einzige Fremdsprache verstand.

10. Tag 06.08.2018 (310km)

Track Tag 10
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Da wir an diesem Tag bis nach Kroatien kommen wollten, beschlossen wir so schnell wie möglich zur Grenze zu Montenegro zu fahren. Doch das hohe Verkehrsaufkommen auf prinzipiell allen Hauptverbindungen machte uns an diesem Montagmorgen einen Strich durch die Rechnung. Da bei 40°C im Schatten (Tendenz steigend), in voller Montur mit dem Motorrad im Stau stehen keinen Spaß macht, lag die Überlegung nahe, die Kolonnen über das Hinterland großräumig zu umfahren. Gesagt, getan. Zunächst ging es zu unserer Überraschung auch hier über perfekten, neuen Straßenbelag von Kurve zu Kurve hinein in die albanischen Berge. Als das Navi dann aber meinte wir sollen von dieser Straße nach links abbiegen, um wieder Richtung Norden zu fahren, schauten wir nicht schlecht. Es war keine weitere Straße zu sehen, nur ein grober Schotterweg mit einem starken Gefälle passte auf die Beschreibung des Navis. Mit leichteren Motorrädern hätte diese Strecke sicher richtig Spaß gemacht. Für uns war aber klar, dass wir hier umdrehen und uns wieder hinten am Stau anstellen müssen.

Aussicht bei unserem Abstecher ins albanische Hinterland
Aussicht bei unserem Abstecher ins albanische Hinterland

Wer sich jetzt fragt, warum wir mit den Motorrädern nicht einfach an der Fahrzeugkolonne vorbeigefahren sind, ist noch nie in Albanien im Stau gestanden. Hier glaubt nämlich auch jeder zweite Autofahrer, dass er einfach an den stehenden Autos vorbeikommt. Somit war hier unser Hauptziel ohne größere Blessuren zur Grenze zu kommen.

Die Grenze passierten wir durch den Fußgängerdurchgang, was uns einen weiteren Stau bei nun 45°C ersparte. Wenige Kilometer später war Markus wieder aus meinem Rückspiegel verschwunden. Diesmal ging seine Twin einfach während der Fahrt aus. Da wir noch genügend Sprit im Tank hatten, war uns sofort klar, dass seine Benzinpumpe den Geist aufgegeben hatte. Dies ist ein typisches Africa Twin Leiden und so hatte ich natürlich Ersatz dabei. Eine halbe Stunde später fuhren wir auch schon weiter und erreichten bald die Adriaküste Montenegros, welche es bis nach Kroatien entlang ging. Auch hier machte sich wieder dieses Gefühl von Stolz und Freude bemerkbar, welches man bekommt, wenn man daran denkt, dass man mit dem eigenen Motorrad durch halb Europa gereist ist, um solch wundervolle Orte zu bestaunen.

Benzinpumpentausch bei 43°C
Benzinpumpentausch bei 43°C

In Kroatien angekommen fanden wir kurz vor Dubrovnik einen kleinen aber feinen Campingplatz fast direkt am Strand. Bei ein paar Bier und einem leckeren Essen ließen wir diesen anstrengenden und erlebnisreichen, aber doch wundervollen Tag ausklingen.

11. Tag 07.08.2018 (357km)

Track Tag 11
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

An diesem Morgen gönnten wir uns vor der Abfahrt einen Sprung ins Meer. Die Strecke bis zu unserem nächsten Ziel, Novigrad in Istrien, war schließlich locker in zwei Tagen zu machen. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass Markus‘ Schwester dort Urlaub macht und wir wollten auch ihr einen Besuch abstatten.

kroatische Küstenstraße
kroatische Küstenstraße

Ein Highlight des Tages erreichten wir schon kurz nach der Abfahrt: Dubrovnik. Trotz über 30°C im Schatten und Vollmontur bekam ich Gänsehaut auf meinen Armen, als nach einer der zahlreichen Kurven entlang der Küste mein Blick auf die Altstadt fiel. Dies soll nur einen kleinen Einblick geben, wie gefühlsintensiv und pulsierend solch eine Tour auf einen, und ganz besonders auf mich, wirkt. Oder in Neudeutsch ausgedrückt: This’s why we ride!

Auch den restlichen Tag fuhren wir ausschließlich auf der Küstenstraße. Es schwirrte schließlich schon lange der Gedanke in meinem Kopf mal die ganze kroatische Küste entlang zu fahren. Die Frage: „Warum?“, erklärt sich denke ich von ganz alleine.

Bei Biograd südöstlich von Zadar suchten wir uns wieder einen Campingplatz an der Küste.

12. Tag 08.08.2018 (362km)

Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Wie fast jeden Tag, suchten wir auch an diesem Tag gleich in der Früh einen Supermarkt auf, um uns zu stärken und uns mit Proviant für den Tag einzudecken. Nachdem der Einkauf abgeschlossen war, läutete Markus‘ Handy. Es meldete sich seine Schwester mit den Worten: „Ihr wisst schon, dass Ihr nur 40km von unserem Campingplatz entfernt geschlafen habt.“

Dank einer Whatsapp-Gruppe, in der wir unseren Freunden und unseren Familien regelmäßige Updates unseres Abenteuers zukommen ließen, kannte sie unseren aktuellen Standort.

Es stellte sich heraus, dass es drei Novigrad in Kroatien gibt und, dass das Novigrad wo Markus‘ Schwester gerade Urlaub machte, auch in der Nähe von Zadar liegt. Spontan wie wir sind, hatten wir aber schon nach wenigen Minuten einen Plan B und so stand die verlassenen Flugzeugkaverne Zeljava, welche ich bereits alleine im März auf meiner Frühjahrsrunde besichtigt hatte, auf der Agenda.

Aussicht vom Velebit
Aussicht vom Velebit

Also fuhren wir quer übers Velebit zur bosnischen Grenze und bewältigten dabei sogar eine ca. 10km lange, unbeabsichtigte Offroadpassage.

Das wir am Flugplatz auf relativ viele andere Touristen getroffen sind, wird mit ein Grund sein, warum einer der riesigen Eingänge in den mächtigen Atombunker, anders als im März, bereits verschlossen war. Da die anderen Eingänge vermutlich folgen würden und ich ihn im Frühjahr alleine nicht betreten wollte, beschlossen wir den Bunker ein Stück weit von innen zu besichtigen. Nach wenigen Metern war aber auch diesmal Schluss. Das eigentlich recht starke Licht meiner LED-Taschenlampe reichte bei weitem nicht aus um sicher durch die gigantischen Gänge zu streifen.

Flugplatz Zeljava
Flugplatz Zeljava

Zurück zum „richtigen“ Novigrad ging es über das meiner Meinung nach fahrtechnisch schönste Stück der kroatischen Küstenstraße von Karlobag nach Seline.

Da Markus‘ Schwester (inkl. Ehemann und Kindern) mit dem Wohnwagen unterwegs war, konnten wir unser Zelt direkt neben selbigen platzieren und den Abend bei gutem Essen und Bier ausklingen lassen.

13. Tag 09.08.2018 (0km)

Da wir sowieso noch genug Zeit für die restliche Heimreise hatten, konnten wir noch einen Tag blau machen und die kroatische Sommersonne genießen, anstatt immer nur unter ihr zu zerschmelzen. Ohne motorisierten Untersatz verbrachten wir aber auch diesen Tag nicht. Markus‘ Schwager hatte sein Motorboot inklusive Ring, um uns nachzuziehen dabei. Das war ein Spaß!

14. Tag 10.08.2018 (533km)

Track Tag 14
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Bereits nach wenigen Kilometern legten wir einen Stopp ein, um zu tanken und zu frühstücken. Als mein Blick über Markus‘ Kupplungsseil streifte, war schnell klar, dass wir hier die nächste Reparatur vornehmen müssen. Es hing nur noch auf wenigen Litzen. Ersatz hatte ich natürlich, wie immer auf längeren Touren, dabei. Routiniert, wie wir beim Schrauben auf unseren Motorrädern sind, dauerte der Eingriff nur wenige Minuten. Bei weit über 30°C im Schatten in Vollmontur das halbe Motorrad zu zerlegen macht aber trotzdem nur wenig Spaß.

Kupplungsseilzug beiweit über 30°C im Schatten tauschen
Kupplungsseilzug bei weit über 30°C im Schatten tauschen

Weiter ging es wieder über die Küstenstraße bis kurz vor Rijeka und dann über kleinste Straßen weiter nach Slowenien.

Anschließend fuhren wir quer durch das wunderschöne Land in Richtung Mangartstraße, welche ich eigentlich auch noch in die Tour einbauen wollte. Letztlich reichte hierfür leider aber die Zeit nicht mehr. Schließlich hatten wir uns kurzfristig für die kommende Nacht bei einem Freund von Markus, welcher in der Nähe von St. Veit wohnt, angekündigt. Also ging es über ein kurzes kurvenreiches Stück durch Italien nach Kärnten.

15. Tag 11.08.2018 (360km)

Track Tag 15
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Da am Vorabend das ein oder andere Bier geleert wurde und uns von den letzten Tagen im Zelt auch noch etwas Schlaf fehlte, brachen wir erst am frühen Nachmittag das letzte Stück unsere sehr ereignisreichen und spannenden Reise an. So ging es über mir bereits bekanntes Gebiet in Richtung Heimat.

Fazit

Zu Beginn möchte ich hier vorab meinem Freund Markus danken, dass er jedes meiner Hirngespinste, möge es noch so absurd sein, fast anstandslos mitmacht.

Im Vergleich mit unserer Nordkapp-Tour war diese Reise sicher entspannter. Man musste keine Fähren erwischen und wir konnten jeden Tag aufs Neue unsere Route planen bzw. umplanen. In vielen der bereisten Länder mussten wir aufgrund der günstigen Unterkünfte nicht einmal darüber nachdenken unser Zelt aufzuschlagen. Allein diese Tatsache nimmt einem on Tour viel Arbeit ab.

Unsere treuen Motorräder hielten auch dieser Beanspruchung wieder einmal fast ohne Macken stand. Die kleinen Defekte an Markus‘ Africa Twin konnten wir dank entsprechender Vorbereitung ohne größeren Zeitverlust beheben und beide Bikes brauchten für die über 5000km weniger als 250ml Öl. Ganz genau waren es 5.107km und 13 Länder (wenn man das kurze Stück Bosnien an der Küste dazu zählt) in 15. Tagen, wobei wir an zwei Tagen keinen einzigen Kilometer zurücklegten.

Weiters möchte ich hier nochmals die leider oftmals unterschätze Gastfreundschaft der bereisten Länder hervorheben. Rumänien und Co sieht mich sicher schon bald wieder! Wer weiß? Vielleicht schon nächstes Jahr.