71° 10′ 21“ Nordkapp 2017

Übersicht Nordkapp-Tour
7.166km und 10 Länder

Intro

Schon lange hatte ich den Plan mit meinem Motorrad von Wien bis ans Nordkapp zu fahren. Als ich dann im Dezember 2016 meinen Freund Markus ebenfalls für diese Idee begeistern konnte wurde der Plan konkreter und die Vorbereitungen konnten starten.

Das Equipment wurde an skandinavische Verhältnisse angepasst und Karten wurden studiert. Ein Termin war aufgrund meiner Sommerpraktikas und Markus‘ Urlaubsmöglichkeiten rasch gefunden. Die Tour sollte von 28.07.17 bis 16.08.17 gehen.

1.Tag 28.07.2017 (37km)

In der Früh voller Vorfreude aufgestanden wurde im laufe des Tages nochmal die gesamte Ausrüstung gecheckt. Am frühen Nachmittag kam dann Markus, mein Mitreisender, zu mir nach Strasshof. Am späteren Nachmittag machten wir uns auf zum Hauptbahnhof Wien, von wo aus es über Nacht mit dem Autoreisezug nach Hamburg ging. Natürlich wurde im Zug noch mit einem Bier auf die bevorstehende Reise angestoßen.

2.Tag 29.07.2017 (531km)

Track Tag 2 durch Dänemark
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einer doch recht anstrengenden Nacht im Autoreisezug empfing uns Hamburg mit Regen. Nach einer kurzen Wartezeit konnten wir mit unseren Twins vom Autoreisezug fahren. Nun ging es auf schnellstem Wege aus Hamburg Richtung Dänemark. Schließlich mussten wir die Fähre von Hirtshals, dem nördlichsten Punkt Dänemarks, nach Kristiansand in Norwegen noch am Abend erwischen. Nachdem das Wetter besser wurde verließen wir auch immer wieder die Autobahn, wobei es sicherlich interessantere Motorradstrecken als jene in Norddeutschland gibt.

Durch Dänemark ging es auf dem schnellsten Weg. So erreichten wir am späteren Nachmittag Hirtshals, wo es zunächst mit dem Motorrad auf den Sandstrand ging um Fotos zu schießen und den ersten Meerblick zu genießen.

Da die Speed-Fähre um 20 Uhr bereits kurz nach Weihnachten ausgebucht war mussten wir leider auf die Nachtfähre ausweichen. Natürlich habe ich diese Fähre dann bereits im Voraus gebucht. Abfahrtszeit war 23:30Uhr und aufgrund schlechten Seegangs verlängerte sich die Überfahrt von ca 3h auf 4h.

Vom Fähr-Terminal ging es dann noch auf den zuvor recherchierten Campingplatz. Um 5Uhr in der Früh stand dann auch unser Zelt und es ging ab in den Schlafsack.

3.Tag 30.07.2017 (332km)

Track Tag 3 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach der zweiten relativ kurzen Nacht in Folge verließen wir gegen Mittag, bei relativ starker Bewölkung, den Campingplatz, welcher sich in der Nähe des Hafens befand. Nun fuhren wir ins Landesinnere. Rasch zeigte Norwegen uns seine märchenhaften Wälder, Seen und Flüsse. Leider begann es nach ca. einer Stunde Fahrzeit wieder zu regnen. Dies wirkte sich zwar auf die Anzahl der Fotostopps aus, konnte unserer Euphorie aber nichts anhaben. Schließlich hatten wir den stressigsten Teil unserer Reise mit Bravour gemeistert.

Meiner Meinung nach sind in Süd-Norwegen so ziemlich alle Straßen für Motorradfahrer fahrenswert. So auch die Straße 9, welcher wir rund 250km folgten. Immer wieder führt sie entlang von Flüssen, welche hinter der nächsten Kurve in riesige, das ganze Tal ausfüllende, Seen übergehen. Weiter im Süden geht es dann immer wieder entlang kurvenreichen Straßen über recht karge Hochebenen.

Das Tempolimit von gerade mal 80km/h, welches sehr streng geahndet wird (dazu später noch mehr), störte uns kaum, da man sowieso nicht mit dem Schauen hinterherkommt und wir uns aufgrund des Regens doch sehr auf die kurvenreiche Strecke konzentrieren mussten.

Positiv fiel uns auf, dass die Straßen, aufgrund der hohen Rauheit, auch bei Nässe recht hohe Schräglagen zuließen. Bislang hatte ich von den in Schottland und Skandinavien üblichen, reifenfressenden, Asphalt nur gelesen.

Meine Ausrüstung hielt der doch recht ausgiebigen Regenprobe stand, bin ich doch zuvor noch nie einen ganzen Tag im Regen unterwegs gewesen. Die Stiefel meines Companion waren hingegen doch recht schnell komplett überflutet. Da dies bei Temperaturen zwischen 8 und 15°C nicht sehr angenehm ist, legten wir immer wieder Stopps ein um das Schuhwerk so gut wie möglich zu trocknen.

Trotz nasser Stiefel noch gute Laune
Trotz nasser Stiefel noch gute Laune

Da das Wetter am späten Nachmittag wieder besser wurde beschlossen wir wieder zu campen. Die Alternative wäre das Mieten einer, auf fast jeden Campingplatz in hoher Anzahl verfügbaren, Hütte gewesen.

Da die Zeit nun schon sehr fortgeschritten war fuhren wir bei einem Highlight der Reise, den Latefoss-Doppelwasserfällen, nur vorbei. Wer die Wasserfälle kennt weiß, dass man dann von der Gischt wieder komplett nass ist.

Unser Zelt schlugen wir auf einem Campingplatz nur ein paar Kilometer von den Wasserfällen entfernt auf. Schließlich standen diese am Plan für den nächsten Tag ganz oben.

Am Campingplatz hieß es wieder Zelt aufbauen. Diesmal doch um einiges schneller als in der Nacht zuvor, da wir nun schon eingespielt waren und jeder Handgriff sitzte.

Bei einem Fertig-Nudelgericht aus der Camping-Küche ließen wir den Abend ausklingen und verschwanden relativ rasch im Schlafsack. Die bis dahin erlebten Tage waren doch sehr ereignisreich und anstrengend.

4.Tag 31.07.2017 (395km)

Track Tag 4 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Morgen trat das ein, wovor ich mich schon vor der Reise gefürchtet hatte. Der Regen, der gegen unsere Zeltwand schlug weckte uns auf. Nun hieß es soweit wie möglich alles im Zelt zusammenpacken, damit nicht die gesamte Ausrüstung schwimmen geht. Selbst nur halb durchnässt, schafften wir es das triefende Zelt einzupacken und machten uns auf den Weg zu den Latefoss-Wasserfällen. Natürlich hatten wir den ganzen Tag im Hinterkopf, dass es uns diese Nacht unmöglich sei im Zelt zu nächtigen.

Latefoss-Doppelwasserfälle
Latefoss-Doppelwasserfälle

Die Wasserfälle bieten ein einzigartiges Naturschauspiel das ich jeden Norwegen-Traveller nur ans Herz legen kann. Auf dem Foto kann man nur erahnen welche Wassermassen dort herunterkommen.

Anschließend folgten wir der Straße 13 Richtung Norden. Das Wetter wurde immer besser, aber es blieb den ganzen Tag wechselhaft.

Das nächste Highlight war die Fahrt über die Hardanger Brücke. Man fährt aus einem riesigen Tunnel, in dem sich sogar ein Kreisverkehr befindet, kommend über den Hardangerfjord und verschwindet in einer weiteren Tunnelröhre die sich in der steilen Felswand gegenüber befindet.

In der Stadt Vossevangen zeigten sich uns die ersten Sonnenstrahlen auf norwegischen Boden. Vossevangen könnte auch bei uns jemandem ein Begriff sein. Schließlich stammt aus dieser Stadt das auch bei uns erhältliche norwegische Mineralwasser Voss.

Da das Wetter, noch bevor wir die Stadt verlassen konnten, wieder schlechter wurde, änderten wir die geplante Strecke. 100km über eine Hochebene wollte ich uns da ersparen. Die abgeänderte Route führte uns sogar an einer Gletscherzunge vorbei.

Als wir uns am Abend wieder mit der Campingplatzsuche beschäftigten, wurde das Problem mit dem nassen Zelt wieder aktuell. So beschlossen wir eine, von den zuvor erwähnten, Campingplatz-Hütten zu mieten.

Die Hütte unserer Wahl war mit einer Küche, einem eigenen Badezimmer und 5 Betten ausgestattet und kostet 750NOK. Die warme Dusche und die weiche Matratze taten uns wirklich gut. Trotzdem sollte es das einzige Mal auf unserer Reise sein, dass wir nicht in unserem Zelt schliefen.

Über Nacht breiteten wir das Zelt in der Hütte auf, um am nächsten Tag wieder darin schlafen zu können.

5.Tag 01.08.2017 (467km)

Track Tag 5 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einer sehr entspannten Nacht packten wir rasch unsere Sachen. Die ersten Blicke aus dem Fenster waren doch sehr vielversprechend.

Schon kurz nach dem Start war die Straße trocken und wunderbar kurvenreich inkl. Serpentinen. Man glaubt gar nicht wie sehr diese Kurven unsere Gemüter aufhellen ließen.

Innerhalb der ersten 100km erreichten wir ein weiteres Highlight der Reise: den Geiranger-Fjord. Er soll der schönste Fjord Norwegens sein.

Wir hatten Glück und so konnten wir einem riesigen Kreuzfahrtschiff beim Wenden zwischen den steilen Felswänden zuschauen.

Die Strecken rund um den Geiranger-Fjord gehörten, im Nachhinein betrachtet, zu den schönsten der ganzen Reise.

Kreuzfahrtschiff im Geirangerfjord
Kreuzfahrtschiff im Geirangerfjord

Nach einer der zahlreichen Fährüberfahrten – es waren so viele, dass ich sie hier gar nicht weiter erwähne – erreichten wir eine weitere wirklich fahrenswerte Passstraße, den Trollstigen. Die wörtliche Übersetzung für diesen ist die Troll-Stufe, da es sich hierbei um eine hunderte Meter hohe senkrechte Felswand handelt. Die Aussicht von der Kante derselbigen ist wirklich atemberaubend.

Der Trollstigen

An diesem Tag folgte ein Highlight dem Nächsten und so erreichten wir nach ca. 150km die Atlantikstraße, eine zur schönsten Straße der Welt gewählte, aber wie ich finde, relativ kurze Strecke. Das besondere an ihr ist, dass sie über dutzende winzige Inseln führt, welche über Brücken miteinander verbunden sind. Hier hatten wir das erste Mal ungehinderte Sicht auf den Atlantik.

Ausblick von der Atlantikstraße
Ausblick von der Atlantikstraße

Der restliche Tag ist rasch erzählt. Da wir unser Zelt kurz vor Trondheim, der ehemaligen Hauptstadt Norwegens, aufschlagen wollten mussten wir noch ordentlich Kilometer machen. Schließlich wollten wir am nächsten Tag in der Stadt eine Lösung für die undichten Stiefel von Markus finden.

An einem Campingplatz angekommen bereiteten wir uns noch etwas zu Essen zu, während das Zelt in der Abendsonne seine letzte Feuchte verlor.

Dass auf dieser Höhe die Sonne bereits sehr lange am Himmel stand störte uns beim Einschlafen, fast selbsterklärend, nur wenig.

6.Tag 02.08.2017 (434km)

Track Tag 6 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Morgen ging es bei Kaiserwetter nach Trondheim. Dort suchten wir ein Motorrad-Geschäft auf und Markus kaufte sich Überschuhe für seine Stiefel. Nach einem kurzen Benzingespräch mit einem einheimischen Africa Twin Fahrer machten wir uns weiter auf den Weg in den hohen Norden. Zunächst fuhren wir auf der E6, verließen diese aber relativ rasch wieder. Schließlich handelt es sich hierbei um die stärkst befahrene Straße in den Norden. Weiter ging es auf der bezaubernden Straße 17, welche uns wieder an die zerklüftete Küste bringen sollte.

Motorrad-Store Trondheim
Motorrad-Store Trondheim

Mit jedem Kilometer merkt man, dass sich die Vegetation beziehungsweise die gesamte Natur verändert. Alles wirkt kälter und karger.

An der Küste angekommen folgte eine Fähre der nächsten. Während wir auf eine dieser Fähren warteten, berichtete uns ein Deutscher, dass er sich nicht vorab über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80km/h erkundigt hatte und einfach 100km/h gefahren ist. Als er dann, noch am ersten Tag auf norwegischen Boden, von der Polizei gestoppt wurde, musste er 675€ Strafe zahlen. Ich hatte schon zuvor von den hohen Bußgeldern gelesen und so hielten wir uns natürlich peinlichst genau an die Vorgaben, auch wenn manch lange Gerade förmlich zur Überschreitung dieser einlud.

Fähre auf der Straße 17
Fähre auf der Straße 17

Durch die Wartezeiten auf die Fähren ging der Tag relativ rasch zu Ende. Dennoch beschlossen wir, um am nächsten Morgen wieder Kilometer machen zu können, auf kosten eines warmen Abendessens auch noch die letzte Fähre hinter uns zu bringen.

Spontan entschlossen wir uns an jenem Abend das erste Mal Gebrauch vom Jedermannsrecht zu machen. Konkret geht es darin um die „Nutzung“ der Natur, welches auch das Wildcampen beinhaltet. Also bogen wir nach der letzten Fähre einfach rechts von der asphaltierten Straße ab, fuhren wenige Meter in die Mitte einer Wiese und bauten unser Zelt auf.

Als das Lager aufgebaut war konnten wir es nach einem kurzen Blick auf die Uhr kaum glauben. Es war 23:30Uhr und die Sonne verschwand erst jetzt hinter den höchsten Gipfeln.

23:30 Uhr wenige hundert Kilometer unterhalb des Polarkreises
23:30 Uhr wenige hundert Kilometer unterhalb des Polarkreises

7.Tag 03.08.2017 (387km)

Track Tag 7 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Wieder relativ früh auf Achse verließen wir, bei herrlichem Wetter, die Straße 17 um uns ein weiteres „Fähren-Hopping“ zu ersparen. Schließlich musste in Bodo eine der Fähren auf die Lofoten erwischt werden. So trieb es uns erneut auf die E6.

Nach Mo i Rana fährt man auf einer Hochebene durch eine sehr karge, teilweise sogar etwas unwirklich wirkende Landschaft. Diese Strecke ist für Motorradfahrer vergleichbar mit heimischen Autobahnen und so sind hier manchmal sogar 90km/h erlaubt.

Nichtsdestotrotz ist dies der einzige Weg zum Polarkreiszentrum und die obligatorischen Fotos vor dem selbigen dürfen auf einer Nordkapptour natürlich nicht fehlen.

Polarkreiszentrum
Polarkreiszentrum

Als wir bei Fauske die E6 wieder verließen wurden die Straßen rasch wieder kurvenreicher und so machte es uns auch wieder richtig Spaß.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Bodo. Wir hatten richtig Glück und so konnten wir nach nur 5 Minuten Wartezeit auf eine der Fähren fahren.

Auf der drei stündigen Überfahrt lernten wir einen Africa Twin Fahrer aus Hermagor kennen. Er berichtete uns, dass es seine achte Nordkapptour sei und, dass wir laut seinen Recherchen richtiges Glück mit dem Wetter am Kapp haben werden. Von seinen acht Besuchen hatte er nur zweimal gute Sicht.

Die Überfahrt selbst war wirklich traumhaft. Auf der offenen See war keine Wolke am Himmel. Zu Beginn konnte man die atemberaubende Kulisse des norwegischen Festlands bestaunen und dann die der Lofoten, welche sich schon von weitem erkennbar, hunderte Meter aus dem Meer erheben.

Traumwetter bei der Überfahrt zu den Lofoten
Traumwetter bei der Überfahrt zu den Lofoten

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten suchten wir uns einen Campingplatz. Trotz der Tatsache, dass diese, aufgrund der zahlreichen Touristen auf den Lofoten, sehr gut besucht sind hatten wir rasch ein Plätzchen für unser Zelt gefunden. Nach dem Abendessen gönnten wir uns noch ein Dosenbier aus dem nahe gelegenen Supermarkt für 4,50€ das Stück. Anschließend ging es ab ins Zelt. Schließlich musste auch einiges vom Schlaf der letzten Tage nachgeholt werden.

Campingplatz auf den Lofoten

8.Tag 04.08.2017 (107km)

Track Tag 8 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Da wir an diesem Tag nur die Lofoten erkunden und das Viking-Museum besuchen wollten konnten wir mal richtig ausschlafen. Anschließend packten wir unser ganzes Hab und Gut auf unsere treuen Motorräder und machten uns bei besten Wetterbedingungen auf den Weg.

Mir fällt es schwer die Schönheit dieses Ortes in Worte zu fassen und ich kann jedem nur empfehlen ihnen einmal einen Besuch abzustatten. Hier gibt es Sandstrände mit sehr klarem, blau schimmernden Wasser, wie ich es zuvor nur aus Karibik-Reisebroschüren kannte. Hinter jeder Kurve wartet ein neues einzigartiges Naturschauspiel auf einen.

Auf den Lofoten
Auf den Lofoten

Nach dutzenden Fotostopps erreichten wir das Wikinger-Museum. Das hochinteressante Museum ist vergleichbar mit österreichischen Freilichtmuseen. Sogar eine Schiffsfahrt mit einem, von einem polnischen Wikinger-Verein gebautem, Wikingerschiff war inklusive.

Wikinger-Museum
Wikinger-Museum

Nach der ausführlichen Durchforstung des Museums fuhren wir auf einen zuvor recherchierten Sandstrand auf der Atlantik-Seite der Lofoten: dem Uttakleiv Beach. Hier ist es erlaubt direkt am Strand sein Zelt aufzuschlagen. Nachdem dies erledigt war beschlossen wir wie dutzende Einheimische auch – aber das soll bei den kältegewöhnten Norwegern nichts heißen – einen kurzen Sprung in das eiskalte Wasser zu wagen.

Anschließend ließen wir diesen wundervollen Tag noch beim Abendessen ausklingen, dass es nicht mehr richtig dunkel wurde störte uns wieder kaum.

Uttakleiv-Beach
Uttakleiv-Beach

9.Tag 05.08.2017 (602km)

Track Tag 9 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am neunten Tag unserer Reise hieß es wieder Kilometer machen. Schließlich war geplant die restliche Strecke bis zum Nordkapp in zwei Tagen zu bewältigen.

Die ersten 100km begleitete uns sehr starker Nebel, welcher sich in den Lofoten festgehangen hatte. Nachdem wir diese hinter uns ließen hatten wir aber wieder Kaiserwetter.

Auf der Strecke trafen wir einen italienischen BMW-Fahrer. Er kam gerade vom Nordkapp und berichtete uns, dass dies sein 14. Tag on Tour war und, dass er bis heute keinen Tag ohne Dauerregen erlebt hatte. Da wurde uns noch mehr klar, dass wir richtiges Glück mit dem Wetter hatten.

Der restliche Tag ist rasch erzählt. Nach 600km über teils sehr kurvenreiche Straßen, aber auch langen Geraden suchten wir uns abermals einen Campingplatz. Dass die Landschaft hier oben überall überwältigend ist braucht an dieser Stelle nicht weiter erwähnt werden.

kurz nach Narvik
kurz nach Narvik

10.Tag 06.08.2017 (394km)

Track Tag 10 in Norwegen
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Der Zeltabbau ging nun schon fast automatisch und so waren wir wiedermal sehr früh unterwegs. Schließlich war das Ziel, betrachtet zu der bisher zurückgelegten Distanz, nur noch einen Katzensprung entfernt.

Nachdem wir über eine der zahlreichen Hochebenen fuhren wurde es relativ rasch ziemlich kalt. Trotz guter Winterhandschuhe froren uns die Finger. Aus diesem Grund habe ich mir nach der Reise auch eine Griffheizung besorgt und kann sie mittlerweile auch nur jedem empfehlen.

Nach Alta, der größten Stadt hier oben, fährt man lange über eine wirklich sehr kalte Hochebene. Hier wächst wirklich nichts. Wir waren froh, als wir wieder an die Küste kamen.

Der Endspurt geht entlang der Küste. Vereinzelt sieht man Fischerhütten und Souvenierstände. Sonst ist es hier ziemlich ausgestorben.

Wenige Kilometer vor dem Nordkapp-Tunnel
Wenige Kilometer vor dem Nordkapp-Tunnel

Dann war es endlich soweit und wir erreichten den Tunnel auf die Nordkapp-Insel. Auf der Insel angekommen fährt man noch ca. 40 Minuten bis man das Kapp erreicht. Dort angekommen wird man zunächst zur Kassa gebeten. Hierfür darf man 24h lang in das Nordkapp-Zentrum und unter Tag auch vor zum Globus.

Kleiner Tipp am Rande: Ab 01:00Uhr darf man kostenlos und sogar mit dem Motorrad bis zum Globus vor fahren. So sind auch unsere Fotos mit den Twins vorm Globus entstanden. Hell ist es im Sommer sowieso rund um die Uhr.

Wir hatten wirklich richtig gute Sicht und so konnte man am Horizont sogar das Eismeer sehen. Bis auf den kalten Wind war wirklich alles Perfekt.

Wir haben es geschafft!!!
Wir haben es geschafft!!!

Nachdem wir alles erkundet hatten war es wieder Zeit für die Campingplatzsuche. Da wir, wie oben geschrieben, geplant hatten in der Nacht nochmal vor aufs Kapp zu fahren um Fotos zu machen suchten wir uns einen Platz ganz in der Nähe.

Es hatte zwar nur 5°C, aber wir hatten mit entsprechender Campingausrüstung auch für solche Temperaturen vorgesorgt.

11.Tag 07.08.2017 (Ruhetag)

In der Nacht läutete der Wecker um 02:00Uhr, doch geschlaucht von den letzten Etappen wurde dieser von uns leider nur ignoriert. So kam es, dass wir am nächsten Tag aufwachten ohne das Kapp in der Nacht besucht und die Fotos geschossen zu haben. Nach kurzer Überlegung beschlossen wir nochmal hinzufahren. Vielleicht würde es uns ja gelingen doch auch untertags bis zum Globus mit den Motorrädern zu kommen.

Als wir ankamen hatten wir Glück, da sogar der letzte Schranken geöffnet war. Doch nach wenigen Metern kam eine nette Frau auf uns zu und bat uns umzudrehen.

So beschlossen wir einen weiteren Tag auf der Nordkapp-Insel zu verbringen und unser Vorhaben in der nächsten Nacht umzusetzen.

Der Ruhetag tat uns sowieso gut. Schließlich stand ja auch noch eine weite Heimreise vor uns.

Der zweite Besuch am Nordkapp
Der zweite Besuch am Nordkapp

Diese Nacht schafften wir es tatsächlich und so erreichten wir das Kapp um ca. 02:00Uhr. Um diese Uhrzeit befanden sich nur eine Hand voll Menschen auf dem Hochplateau. So auch zwei BMW-Fahrer aus Baden.

Um 02:30Uhr war es schließlich soweit und die Sonne, welche zuvor nur hinter dem Horizont hervorschien, zeigte sich uns. Es war ein magischer Moment!

Nach etlichen Fotos fuhren wir wieder zurück zu unserem Zelt um noch ein paar Stunden zu schlafen.

02:30 Uhr am Norkapp
02:30 Uhr am Norkapp

12.Tag 08.08.2017 (813km)

Track Tag 12 Norwegen und Finnland
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Tag traten wir die Heimreise an. Geplant war so rasch wie möglich nach Helsinki zu kommen und so hieß es ordentlich Kilometer fressen.

Dass Finnland nicht das kurvenreichste Land ist, war uns natürlich schon im vorhinein klar. Doch so monotone, endlos lange, nur durch Wälder führende Straßen hätte ich nicht erwartet. Noch dazu kam, dass die Höchstgeschwindigkeit meist abermals bei 80km/h lag. Das aufregendste waren die kilometerlangen Baustellen, durch welche man praktisch einfach hindurch fuhr. Einmal tauchte sogar plötzlich hinter einer Kuppe eine Asphalt-Maschine auf. Der Untergrund wechselte hier zwischen losen sehr groben Schotter, welcher noch auf die Asphalt-Walze wartete, und sandigen Passagen mit tiefen Spurrinnen.

Die endlosen Weiten des Lapplands
Die endlosen Weiten des Lapplands

Vorsicht ist hier oben auch vor den hunderten Rentieren geboten. Es gab Abschnitte an denen kein Kilometer verging ohne dass wir auf Schrittgeschwindigkeit verzögern mussten um an den Tieren vorbei zu fahren.

Rentier in Finnland
Rentier in Finnland

Am Ende des Tages erreichten wir Rovaniemi und somit überquerten wir wieder den Polarkreis. Hier suchten wir uns einen Campingplatz direkt in der Stadt und ließen den langen Fahrtag bei einem Dosen-Cili-Con-Carne ausklingen.

13.Tag 09.08.2017 (654km)

Track Tag 13 Finnland
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Mit der Hoffnung, dass es vor Oulu entlang der Ostseeküste vielleicht wieder etwas spannender werden würde starteten wir in den Tag. Doch bis auf einen Abschnitt von einem Kilometer bekommt man die Ostsee auf dieser Strecke gar nicht zu Gesicht. Grund dafür sind auch hier die Wälder.

So fuhren wir wieder auf endlosen Geraden durch endlos scheinende Wälder. Am Ende des Tages schlugen wir unser Zelt auf einem Campingplatz ca. 50km vor Helsinki auf.

Eines stand für uns nach dem zweiten Tag in Finnland fest: Bei unserer nächsten Nordkapp-Tour fahren wir entweder über Schweden zurück oder wir nehmen uns viel mehr Zeit und beschreiten auch die Heimreise durch Norwegen.

Nach zwei Runden in die Kalte Kuchl war er wieder rund
Nach zwei Runden in die Kalte Kuchl war er wieder rund

14.Tag 10.08.2017 (365km)

Track Tag 14 Finnland und Baltikum
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Morgen erreichten wir noch am Vormittag Helsinki. Da wir die nächste Fähre nach Tallinn nehmen wollten, blieb für eine Stadtbesichtigung leider keine Zeit. Mit den Motorrädern, welche mit unserer gesamten Ausrüstung bepackt waren, wäre dies ohnehin problemartisch geworden.

Diese Fähre hatten wir nicht vorgebucht, da wir ja nicht genau wussten, wann wir Helsinki erreichen würden. Doch ohne Probleme legte das Schiff mit uns an Board gegen 12:00Uhr ab und so erreichten wir kurze Zeit später Tallinn.

Hier statteten wir der Altstadt einen kurzen Besuch ab und fuhren unabsichtlich durch die Fußgängerzone am Hauptplatz. Anschließend hieß es wieder Kilometer machen.

Die Hauptverkehrswege im Baltikum sind ähnlich langweilig wie die endlosen Weiten Finnland. Aus diesem Grund probierten wir diese immer wieder zu verlassen.

Am Ende des Tages machten wir es uns auf einem Campingplatz an der Ostseeküste kurz vor der lettischen Grenze gemütlich.

Bei einem herrlichen Sonnenuntergang genossen wir hier etwas, dass uns in den letzten Tagen in Skandinavien wirklich abgegangen ist: Ein kühles Bier vom Fass zu einem vernünftigen Preis.

Campen in Estland
Campen in Estland

15.Tag 11.08.2017 (627km)

Track Tag 15 Baltikum
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Wieder früh auf Achse fuhren wir nach wenigen Kilometer über die lettische Grenze. Kurz nach dieser wurden wir von Beamten der lettischen Einwanderungsbehörde auf die Seite gewunken. Es stellte sich aber heraus, dass sie eigentlich nur den Transporter hinter uns untersuchen wollten.

Als wir kurz nach Kaunas in Litauen eine Pause einlegten, erwähnte Markus ganz nebenbei, dass er sich einbildete einen Wegweiser nach Warschau gesehen zu haben, wir aber in eine andere Richtung fuhren. Nach kurzer Recherche stellte ich fest, dass ich diese Abzweigung verpasst hatte. Mein Navi hatte nun vor uns über Weißrussland nach Österreich zu lotsen. Aufgrund von Unklarheiten bezüglich Visabestimmungen etc. beschlossen wir die Hauptverkehrsstrecke zu verlassen und über einen kleinen Grenzübergang in der Nähe von Augustow nach Polen einzureisen.

Dieser Abschnitt war mit Abstand der spannendste den wir in den letzten Tagen unter die Räder bekommen hatten.

Die Zeit war schon ziemlich fortgeschritten, doch zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, aufgrund des Zeitzonenwechsels zwischen Litauen und Polen, ausreichend Zeit zu haben um nach Polen einzureisen und dort einen Campingplatz zu finden. Wir bedachten aber nicht, dass, trotz einer Stunde mehr, die Sonne nicht länger scheint. So endete unsere Campingplatzsuche auf einem unbefestigten Weg, in einem finsteren polnischen Wald, in der Nähe der weißrussischen Grenze. Am Ende dieses Weges wurden wir dann aber fündig.

Polnisches Kriegsdenkmal

16.Tag 12.08.2017 (1021km)

Track Tag 16 Endspurt
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einer sehr ungemütlichen Nacht, es hatte die ganze Zeit über 30°C und da Freitag war feierten die Polen bis in die Morgenstunden, fuhren wir Richtung Warschau.

Theoretisch waren für die restliche Strecke noch zwei Tage übrig, aber da Markus übermorgen wieder bei seiner Arbeit auftauchen sollte und ein Tag Erholung nach der anstrengenden Heimreise gerade richtig kamen, beschlossen wir, wenn möglich, die rund 1000km bis nach Wien, an diesem Tag zu bestreiten. Also hieß es wiedermal Kilometer fressen.

Um kurz vor 20:00Uhr erreichten wir die polnisch-tschechische Grenze und gegen 23:30Uhr fuhren wir bei Hohenau nach Österreich.

Da sich meine Freundin zu dem Augenblick im burgenländischen Seewinkel aufhielt, beschloss ich noch bis dorthin zu fahren. War ja schließlich nur noch ein Katzensprung.

kurz vor Warschau

Fazit

Für die relativ kurze Zeit haben wir, wie ich finde, das Beste aus der Tour herausgeholt. Es war eine einzigartige Erfahrung und ich hoffe, dass noch zahlreiche weitere Trips folgen.

Die Heimreise über Finnland würde ich mir, wie auch schon oben erwähnt, das nächste Mal zweimal überlegen.

Norwegen sieht mich und mein Motorrad sicher wieder. Es ist ein einzigartiges wunderschönes Land und gerade im Süden, wo es bei uns leider geregnet hat, kann man sicher noch viel mehr entdecken, als wir es getan haben.

Von den 16 Tagen on Tour haben wir 2 Ruhetage eingelegt. Weiters waren bis auf kurze Schauer nur 2 Regentage dabei, was für Norwegen, laut meinen Recherchen, echt wenig ist.

Zurückgelegt haben wir mit unseren Motorrädern eine Strecke von insgesamt 7.166km (ohne Autoreisezug und Fähren). Meine Africa Twin hat auf diese Distanz lediglich 200ml Motoröl verbraucht. Die von Markus noch weniger. Bis auf einmal Kettespannen waren keine weiteren Eingriffe an unseren Motorrädern notwendig.