Kroatien Frühjahr 2018

Gesamte Strecke
Gesamte Strecke | Quelle: MotoPlaner
Flugplatz Željava
Flugplatz Željava

Intro

„Ist es nicht noch zu kalt zum Motorradfahren?“: meinte nicht nur der nette ÖAMTC-Mitarbeiter der am Mittwoch den 21.03.2018 die Pickerl-Überprüfung an meiner Twin durchführte. Die Reaktion als ich auf diese Frage verkündete, dass ich vor hätte kommendes Wochenende nach Kroatien zu fahren war fast immer dieselbe und beinhaltete Gegenfragen, wie: „Willst du nicht noch ein paar Wochen warten?“. Doch die Antwort war klar und sie lautete: „Nein, will ich nicht!“ Wieso auch? Schließlich waren mein Motorrad und auch meine sonstige Ausrüstung bestens für solch eine Reise vorbereitet.

Prinzipiell hatte ich bis Dienstag den 20.03.2018 nur den Plan nächstes Wochenende mit dem Motorrad nach Kroatien zu fahren. Aufgrund einer der schwersten Prüfung meines Studiums blieb vor diesem Tag auch nicht die nötige Zeit um konkretere Pläne zu schmieden. Als ich mich am Mittwoch an die Planung machte war der Grundgedanke über Ungarn nach Kroatien zu fahren, um die ‚Überquerung der Alpen‘ zumindest einmal zu vermeiden. Schließlich war der Wetterbericht für das Wochenende mit Schneefall über 800m weit entfernt von perfektem Motorradwetter. Zurück würde ich schon über die Autobahn kommen, dachte ich mir. Als ich mich mit dieser Grundlage ans Recherchieren machte fiel mir ein, dass ich über so eine Reise bereits auf einer meiner Lieblings-Webseiten, Wolfs www.bike-on-tour.com, gelesen hatte. So übernahm ich die Tagesziele und einige der Sehenswürdigkeiten um den weiteren Planungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Schließlich musste neben dem Besuch einiger Vorlesungen an der Uni auch noch die Twin entsprechend vorbereitet werden. Das Grundprinzip unserer Reisen war ohnehin dasselbe. Die Tracks übernahm ich nicht. Liebe ich es doch mich von Straße zu Straße an mein Ziel zu navigieren.

Eigentlich war geplant mit meinem Freund Alex auf Tour zu gehen. Doch da der Wetterbericht weiter keine Temperaturen über 10°C vorhersagte, beschloss dieser am Freitag wehmütig, aufgrund fehlender Ausrüstung für solche Temperaturen, nicht mitzukommen. Ich beschloss aber trotzdem mal loszufahren. Schließlich hätte ich die Reise jederzeit beenden können.

1.Tag 24.03.2018 (435km)

1.Tag 24.03.2018 (435km)
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

So kam es, dass ich am Samstag von Wien nach Strasshof fuhr um letzte Vorbereitungen zu treffen. Als diese abgeschlossen waren ging es bei strahlendem Sonnenschein zunächst bei Hainburg über die Donau um das Leithagebirge bei Stotzing zu überqueren. Die Kurven des Stotzinger-Passes waren diesmal ein besonderer Genuss, wusste ich doch, dass Ungarn kurventechnisch nicht allzu viel zu bieten hat.

Bei Klingenbach überquerte ich die Grenze nach Ungarn. Nun ging es über Seitenstraßen Richtung Györ. Kurz vor dieser Stadt fuhr ich Richtung Süden um meinem Tagesziel, dem Plattensee, näher zu kommen. Die Qualität der ungarischen Straßen kann sehr unterschiedlich sein. Die Hauptverkehrsrouten sind perfekt asphaltiert. Fährt man jedoch, wie ich, auf Nebenstraßen folgt häufig ein Schlagloch dem nächstem. Trotzdem haben diese kleinen Straßen in den Weiten der ungarischen Ebene für mich den größeren Reiz. Zum einen sind diese nicht so überlaufen und zum anderen finde ich die kleinen Dörfer, in denen sich noch jedes Kind freut und winkt, wenn es ein Motorrad sieht, einfach cool. In Pápa besuchte ich kurz die Altstadt. Als das Wetter dann aber rasch schlechter wurde, fuhr ich über unerwartet kurvenreiche Straßen direkt Richtung Balaton. Dort angekommen war es sehr nebelig. So konnte man den See von der Straße aus nur schlecht erkennen. Am West-Ufer fuhr ich bis nach Keszthely, wo ich auch meine Unterkunft, eine einfache aber gemütliche Pension, für diese Nacht bezog.

überraschend kurvenreiche Strecke in Ungarn
überraschend kurvenreiche Strecke in Ungarn

2.Tag 25.03.2018 (437km)

2.Tag 25.03.2018 (437km)
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich bei -1°C und leichtem Nebel auf den Weg zur kroatischen Grenze. Nach ein paar Kilometer klarte es aber auf und so fuhr ich bei strahlendem Sonnenschein bei Barcs über die Drau, welche hier den Grenzfluss bildet.

man beachte das Eis auf der Sitzbank
man beachte das Eis auf der Sitzbank

Nun ging es durchs kroatische Hinterland in Richtung bosnische Grenze. Die Straßen wurden kurvenreicher und auch ihr Zustand besserte sich rasch. So erreichte ich am frühen Nachmittag die kroatisch-bosnische Grenze bei Jasenovać­. Eigentlich wollte ich hier auf der kroatischen Seite entlang der Grenze bis Novi Grad fahren. Doch es kam anders. Aufgrund von Hochwasser des Grenzflusses Una waren im Grenzgebiet einige Straßen überflutet und gesperrt. Somit musste ich bereits hier die Grenze überqueren.

Hochwasser im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet
Hochwasser im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet

Bei der Grenzabfertigung wollte der bosnische Beamte neben meinem Reisepass auch noch den Zulassungsschein und die Grüne-Versicherungskarte meiner Twin sehen. Da sich die Versicherungskarte aber unter der Sitzbank befand, und ich diese nur bei demontiertem Seitenkoffer abnehmen kann, musste zunächst ein bisschen geschraubt werden. Natürlich tauchte der 17er Gabelschlüssel, welcher für die Demontage benötigt wurde, erst auf, als bereits beide Seitenkoffer entleert wurden. Wie sollte es auch anders sein.

Von der Qualität der bosnischen Straßen war ich positiv überrascht, hätte ich doch mit ähnlichen Verhältnissen wie auf Ungarns Nebenstraßen gerechnet. Als ich mich von der Grenze entfernte wurden die Straßen ziemlich kurvenreich. Bei Bihać fuhr ich wieder nach Kroatien.

Da die Zeit schon ziemlich fortgeschritten war ging es vorbei am ehemaligen jugoslawischen Flughafen Željava hinauf in den Nationalpark Plitvicer Seen, wo ich in eine nette Pension, das House Izvor, einkehrte. Der Nationalpark befindet sich auf ca. 800 Höhenmeter. Als ich meine Twin die Serpentinen hinauf trieb, wurde es kälter und zu meiner Verwunderung lagen oben angekommen ca. 30cm Schnee. Ende März hätte ich in Kroatien nicht mit so viel Schnee gerechnet.

Parkplatz meiner Twin für diese Nacht
Parkplatz meiner Twin für diese Nacht

Als ich den Besitzer der Pension erzählte, dass ich vor hätte am nächsten Tag den verlassenen Militärflugplatz zu besuchen zeigte mir dieser einen Plan des Areals und Fotos vom Inneren der Bunkeranlage. Er meinte auch, dass er mir eine Taschenlampe borgen würde, damit auch ich die alten Bunkeranlagen erkunden könnte. Mit der Idee alleine einen alten, verlassenen, finsteren, jugoslawischen Atombunker zu erforschen konnte ich mich aber nicht wirklich anfreunden. Der Flugplatz Željava war zu seiner Zeit der größte Militärflughafen Europas und ca. 3000 Soldaten waren hier stationiert. An dieser Stelle möchte ich, wie es auch zahlreiche Warnschilder tun, darauf hinweisen, dass es aufgrund verminter Flächen lebensgefährlich ist im Grenzgebiet die befestigten Wege zu verlassen. Dies gilt ganz besonders für den Flugplatz. Die befestigten Anlagen des Areals wurden aber bereits 1998 demilitarisiert. Dies bestätigte mir auch der nette Besitzer des House Izvor.

3.Tag 26.03.2018 (348km)

3.Tag 26.03.2018 (348km)
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Am nächsten Morgen setzte ich meine Pläne in die Tat um und fuhr bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zurück nach Željava. Die alte Propeller-Maschine, welche auf dem Areal verrottet und welche man auch auf Satellitenbildern erkennen kann war rasch gefunden. Von ihr fährt man ca. 2km auf einer asphaltierten Straße in Richtung bosnische Grenze. Da im Schatten des Berges, in welchem sich die Bunkeranlage befindet, der Schnee nur langsam schmelzen konnte, musste zunächst die stark verschneite Zufahrt überwunden werden. Da noch der gesamte Flugplatz mit relativ viel Schnee bedeckt war wollte ich mich mit meinem Motorrad nicht bis zu den Baracken, welche früher die Unterkünfte der Soldaten waren, vorkämpfen. Also schoss ich ein paar Fotos von den Bunkereingängen eins und zwei und machte mich wieder auf den Weg.

DC-3 am Flugplatz Željava
DC-3 am Flugplatz Željava

Zunächst fuhr ich über das Velebit-Gebirge an die kroatische Küste. Hier oben war vom Frühlingserwachen noch keine Spur und somit lag entlang der Strecke noch ca. 30cm Schnee. Da die Temperatur mit jedem Höhenmeter sank und am höchsten Punkt bei ca. -1°C ihren Tiefpunkt erreichte, legte ich auf dieser Strecke nicht einen Fotostopp ein.

An der kroatischen Küste
An der kroatischen Küste

Bei Senj erreichte ich die Küste und so führte mich nun die kroatische Küstenstraße bei strahlendem Sonnenschein bis nach Rijeka. Da ich auf meinen Touren größere Städte prinzipiell meide, umfuhr ich diese Stadt auf der Schnellstraße und so erreichte ich gegen Mittag die Halbinsel Istrien. Hier hatte es ca. 15°C und aufgrund der Sonne musste ich sogar das Thermo-Fleece aus meiner Revit-Jacke entfernen.

Anschließend durchquerte ich auf kleinsten Straßen diese wunderschöne Halbinsel und erreichte gegen 15 Uhr den Limski-Kanal. Einen Meeresarm, welcher weit ins Landesinnere reicht. Dieser wird häufig auch als Limski-Fjord bezeichnet, obwohl er eigentlich gar kein Fjord ist, da er nicht durch einen Gletscher, sondern durch einen Fluss geschaffen wurde. Da ich letzten Sommer bei meiner Nordkapp-Tour etliche Fjorde bestaunen durfte kann ich aber bestätigen, dass der Kanal diesen sehr ähnlich ist, den gigantischen norwegischen Fjorden aber natürlich nicht ganz das Wasser reichen kann. Einen Stopp ist er aber auf jeden Fall Wert.

Limski-Kanal
Limski-Kanal

Weiter ging es wieder auf kleinsten Straßen in Richtung slowenische Grenze. Da ich Istrien zuvor noch nie mit dem Motorrad bereist hatte war ich von den kurvenreichen Straßen wirklich begeistert und kann jedem nur ans Herz legen einmal in dieser Ecke vorbeizuschauen.

Strand in Portorož

Am späteren Nachmittag erreichte ich bei anhaltendem Kaiserwetter die slowenische Küstenstadt Portorož und genoss bei einem Bier am Strand den Sonnenuntergang. So lässt sich ein genialer Tag auf Tour am besten ausklingen.

4.Tag 27.03.2018 (555km)

4.Tag 27.03.2018 (555km)
Streckenverlauf Motoplaner (ungefähr, da nachgeplant)

Nach einer gemütlichen Nacht in einem Apartment direkt auf der Promenade machte ich mich bei 10°C auf den Weg Richtung Heimat. Wieder fuhr ich auf kleinsten Straßen und durch kleine Dörfer. Mein erster Stopp an diesem Tag sollte die Höhlenburg Predjama sein.

Höhlenburg-Predjama
Höhlenburg-Predjama

Da ich um 16:30 Uhr meine Eltern in Bad Schönau besuchen wollte hieß es nun Kilometer machen. Eigentlich wollte ich die Alpen bei der Rückreise auf der Autobahn passieren. Da aber das Wetter mitspielte kam für mich die Autobahn für diese wunderschöne Strecke nicht mehr in Frage. So navigierte ich mich an Ljubljana vorbei zum Grenzübergang bei Bad-Vellach. Dieser befindet sich am Seebergsattel. Wieder nahm mit jedem Höhenmeter die Höhe des Schnees am Straßenrand zu und erreichte am Scheitel, also genau als ich Kärnten erreichte, sein Maximum von ca. 1m. Natürlich waren hier oben von den +15°C im Tal nicht mehr viel übrig. Nach dutzenden Serpentinen war ich aber wieder im Tal angekommen.

Seebergsattel
Seebergsattel

Nun führte mich mein Weg zur Südsteirischen Grenz Straße, welche über den Magdalensberg führt. Genau am höchsten Punkt – auch hier lag gut 1m Schnee – begann es ziemlich stark zu schneien. Leider konnte ich aus diesem Grund kein Foto vor dem zugeschneiten ‚Bikertreff Kärntnerblick‘ machen. Wieder im Tal angekommen regnete es nicht einmal.

Ab Graz begleiteten mich immer wieder einige Schauer, aber schließlich erreichte ich Bad Schönau rechtzeitig. Auf den knapp 400km von Predjama bis nach Bad Schönau legte ich lediglich einen Fotostopp und einen Tankstopp ein. Nach dem Besuch absolvierte ich die restliche Strecke auf der Autobahn, es waren ja nur noch 50 Minuten bis nach Wien.

Fazit

Trotz der Tatsache, dass das Wetter noch nicht so frühlingshaft war, wie es für Ende März eigentlich üblich ist, hatte ich wieder mal Glück, da ich bis auf ein kurzes Schneegestöber und zwei, drei Schauern trocken geblieben bin. Kalt war mir auf der gesamten Tour eigentlich nie, somit hat sich auch meine Ausrüstung wiedermal behauptet. Ich hatte vier wirklich coole Tage, welche nach den doch sehr kalten Monaten, Feber und März, und meiner Prüfung auf der Uni wirklich notwendig gewesen sind. An dieser Stelle möchte ich Wolf von www.bike-on-tour.com für seine Arbeit, welche ich wirklich bewundere, danken. Ohne seinen Reisebericht wäre ich an einigen der sehenswertesten Stopps dieser Tour wahrscheinlich einfach vorbeigefahren. Auch die Stadt Portorož, welche ich zuvor gar nicht kannte, hätte ich sonst wahrscheinlich nicht besucht.